Sympathische Idee hat keine Lobby

Rheinische Post Wesel berichtet am 3.1.2006:

Schuss in den Ofen: Nur 2884 Menschen aus dem ganzen Kreisgebiet hatten eine Meinung, ob es künftig Niederrhein-Kreis Wesel heißen soll. Und weil eine Mehrheit von 1579 gegen die Umbenennung ist, neigt eine politische Mehrheit dazu, dem Votum zu folgen. Nur die CDU kämpft weiter.

Kreis Wesel. Hanns Dieter Hüsch, sämtliche Wetterfrösche Deutschlands und nicht zuletzt etliche Produkte aus der Region haben dafür gesorgt, dass der Niederrhein bundesweit bekannter geworden ist. Den Schwung werbewirksam nutzen wollte die CDU und beantragte bekanntlich die Umbenennung des Kreises Wesel in Niederrhein-Kreis Wesel. Das hätte man Mitte vergangenen Jahres haben können, wenn da nicht die Hürde Dreiviertelmehrheit wäre. Und eine skeptische SPD. Zwar hatte Landrat Dr. Ansgar Müller (SPD) die Idee als „sympathisch“ bezeichnet, doch am Ende wurde erstmal eine informelle Umfrage (eine repräsentative war „zu teuer“) vorgeschaltet. Gestern kam das ernüchternde Ergebnis: Nur 2884 Kreis-Bewohner über 16 machten mit; 1579 sind gegen die Umbenennung und 1305 dafür.

„Wer das als repräsentativ bezeichnen will, kann nicht ganz ernst genommen werden“, sagte gestern Dr. Hans-Georg Schmitz (CDU). Er steht weiter „mit Herz“ hinter „einer guten Idee“ und sieht inzwischen „die Argumente dafür weiter gewachsen, die Marke Niederrhein für uns zu nutzen“.

Obwohl schon 2005 sofort bereit, für die Umbenennung zu stimmen, sehen sich die Grünen jetzt mit der Crux Umfrageergebnis konfrontiert. „Wirtschaftlich und touristisch spricht viel dafür“, sagte Fraktionssprecher Hubert Kück. „Die geringe Beteiligung zeigt nur, wie unbedeutend das Thema für die Bevölkerung ist.“

Standfester gibt sich Martin Kuster von den Vereinigten Wählergemeinschaften, der mit seiner Kollegin Marianne Meylahn auf der nächsten Vorstandssitzung seinen Freunden ein Votum für die Umbenennung vorschlagen wird. Für ihn zählen in erster Linie die Argumente der Befürworter Industrie- und Handelskammer und Gastgewerbe. Diese seien am Niederrhein immerhin „entscheidende Größen“.

Für die FDP gibt sich Kreistagsmitglied Volker Neuhaus weiterhin „reserviert“, zumal „sicher ein Rattenschwanz von Umstellungskosten“ folgen würde. Aber eine Umbenennung, so Neuhaus weiter, würde auch „nicht den Untergang des christlichen Abendlandes“ bedeuten.

„Wir haben immer gesagt, dass wir uns an das Votum halten werden“, sagte Fraktions-Chef Helmut Fischer (SPD), der das Umfrageergebnis als „eindeutig“ bezeichnete. „Es ist wohl so, dass die Bürger das nicht wollen.“

Autor: Bettina Freitag | Datum: 3. Januar 2006 | Themen: ,
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